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Wie man eine Web-Agentur richtig brieft: Die vollständige Anleitung

30. Juni 20268 Min. Lesezeit

Die meisten Projekte scheitern nicht an der Ausführung. Sie scheitern am Brief. Ein unklares Brief führt zu falschen Annahmen, falschem Scope und unerfüllten Erwartungen — auf beiden Seiten.

Hier ist, was in ein gutes Agentur-Brief gehört, und was weggelassen werden soll.

Was ein Brief tun muss

Ein gutes Brief gibt der Agentur genug Kontext, um unabhängig gute Entscheidungen zu treffen. Es definiert, was erfolgreich aussieht. Es benennt, was außerhalb des Scopes ist.

Ein schlechtes Brief ist eine Feature-Liste ohne Kontext. „Wir brauchen eine Homepage, Über-uns-Seite, Kontaktseite" — das sagt der Agentur nichts Nützliches.

Die 8 Kernkomponenten

1. Das Unternehmen und der Kontext

Wer sind Sie, was tun Sie, für wen. Zwei bis drei Sätze reichen. Die Agentur braucht genug Kontext, um Designentscheidungen im Rahmen Ihres Marktes zu verstehen.

Fügen Sie hinzu: Gründungsjahr, aktuelle Phase (Pre-Seed/Seed/Series A), Team-Größe, Standort(e).

2. Das Ziel des Projekts

Was soll nach dem Launch besser sein als davor? Spezifisch:

  • „Wir wollen die Demo-Anfragen von 5 auf 15 pro Monat erhöhen"
  • „Wir wollen für Investoren glaubwürdig aussehen, bevor wir im September fundraisen"
  • „Wir launchen in drei neuen Märkten und brauchen eine lokalisierte Präsenz"

Vage Ziele wie „professioneller aussehen" sind nützlich als Kontext, aber als primäres Ziel unzureichend.

3. Die Zielgruppe

Wer besucht die Site und was will er? Für eine B2B-SaaS-Site: Wer ist der primäre Käufer? Welche Einwände hat er? Welche Vertrauenssignale braucht er, um zu konvertieren?

Wenn Sie mehrere Käufertypen haben, priorisieren Sie. „VP Engineering und CFO" — okay. „Jeder, der Software braucht" — nicht hilfreich.

4. Scope und Deliverables

Listen Sie auf, was gebaut werden soll:

  • Welche Seiten
  • Ob ein CMS benötigt wird
  • Ob Mehrsprachigkeit benötigt wird
  • Ob Formulare und Integrationen (CRM, Analytics, etc.) enthalten sind
  • Ob Design aus bestehenden Assets gebaut wird oder von null

Sagen Sie explizit, was nicht enthalten ist, wenn es naheliegen könnte.

5. Referenzen und Designrichtung

Zwei oder drei Sites, die Sie mögen, mit einer Erklärung warum. „Ich mag Linear's Site wegen der Klarheit" ist nützlich. Eine Pinterest-Board-URL ohne Kommentar ist weniger nützlich.

Wenn Sie ein bestehendes Branding haben (Logo, Farben, Schriftarten), teilen Sie es. Wenn nicht, sagen Sie das explizit.

6. Budget

Nennen Sie eine Zahl oder eine Range. „Budget ist flexibel für die richtige Lösung" ist ein Signal, dass Sie den Preis noch nicht verhandeln wollen — aber es verzögert den Prozess.

Eine ehrliche Budgetangabe ermöglicht der Agentur, eine realisierbare Lösung vorzuschlagen statt ein Ideal, das Sie sich nicht leisten können.

7. Timeline

Wann muss der Launch stattfinden und warum? Wenn Sie einen harten Deadline haben (Konferenz, Fundraising-Closing, Produkt-Launch), sagen Sie das. Wenn die Timeline flexibel ist, sagen Sie das auch.

Seien Sie ehrlich über die Gründe. Eine künstlich knappe Timeline kostet Qualität und Geld.

8. Entscheidungsprozess

Wer genehmigt das Design und den Launch? Wie viele Personen sind im Feedback-Loop? Brauchen Sie Vorstandsgenehmigung?

Das ist wichtig für die Projektplanung. Ein Projekt mit einem Entscheidungsträger läuft schneller als eines mit einem Komitee.

Was weggelassen werden soll

Konkurrenten-Feature-Listen. „Unsere Konkurrenten haben X, wir wollen auch X" — oft irrelevant. Was Ihre Konkurrenten tun, ist kein Beweis, dass Sie dasselbe tun sollen.

Zu detailliertes Design-Brief. Wenn Sie der Agentur sagen, dass der Hero-Hintergrund #2D2D2D sein soll und die CTA-Farbe #FF6B35, haben Sie das Design selbst gemacht. Briefen Sie Ziele, nicht Lösungen.

Screenshots ohne Kommentar. Zehn Referenz-Screenshots sagen nichts, wenn nicht klar ist, was daran gut ist.

Das Brief als Vertrag

Ein gutes Brief ist de facto ein Scope-Dokument. Wenn am Ende eines Projekts Diskussionen über „das war nicht im Brief" entstehen, fehlt meistens Klarheit in einem der acht Punkte.

Sagen Sie Ihrer Agentur explizit: „Wenn etwas unklar ist oder Annahmen gemacht werden müssen, klärt das bitte vor dem Start des Designs — nicht nach der ersten Präsentation."

Template

Unternehmen: [Name, was Sie tun, für wen]
Phase: [Pre-Seed / Seed / Series A / Bootstrapped]

Projektziel: [Spezifisches, messbares Ziel]

Primäre Zielgruppe: [Käuferprofil, Einwände, Vertrauenssignale]

Scope:
- Seiten: [Liste]
- CMS: Ja / Nein
- Mehrsprachig: Ja / Nein
- Integrationen: [Liste]
- Nicht enthalten: [Liste]

Referenz-Sites: [URLs mit Kommentaren]
Bestehendes Branding: Ja / Nein [Details]

Budget: [Zahl oder Range]
Launch-Deadline: [Datum und Grund]

Entscheidungsträger: [Wer genehmigt final]
Feedback-Prozess: [Wie viele Runden, wer ist involviert]

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